General Anzeiger
14.2.04

Der soziale Absturz droht immer schneller
DIAKONIE Das Stadtteilbüro Brüser Berg hilft Menschen in Lebenskrisen und setzt bei Kindern und Jugendlichen auf Prävention. Die rege Zusammenarbeit mit anderen Institutionen trägt Früchte Von Isabel Klotz

BRÜSER BERG. "Unsere Tür steht eigentlich immer offen, die lauschige Atmosphäre bei uns soll die Leute ermutigen, ohne Berührungsängste hereinzukommen", sagt Doris Möller, Leiterin des Stadtteilbüros Brüser
Berg der Diakonie. Wie zum Beweis geht in diesem Moment die Tür auf, eine junge Frau kommt herein und bittet darum, ein Fax abschicken zu dürfen. "Klar, helfen wir da mal aus, doch eine Dauereinrichtung für solche Dinge wollen wir nicht werden", sagt Doris Möller, Leiterin des Stadtteilbüros Brüser Berg der Diakonie.
Seit das Büro im September 2002 in die Borsigallee 12 gezogen ist, hat Möller den Eindruck, dass mehr Menschen den Weg ins Stadtteilbüro finden. "Ich denke, viele scheuten sich, in den sogenannten sozialen Brennpunkt Celsiusstraße zu kommen", sagt die Diplom-Sozialarbeiterin. Die Beratung steht im Stadtteilbüro im Vordergrund, der Schwerpunkt liegt ganz klar auf der Prävention. "Wir verstehen uns als Dienstleister, wir fragen, wie kann man eine positive Lebenssituation wieder herstellen", sagt Möller. Kommen Menschen ins Büro, dann
analysieren Möller und ihre beiden Kollegen deren Lage und helfen dabei, Probleme aufzuarbeiten. "Woran hapert es, und was kann getan werden, damit es wieder aufwärts geht?" - so geht Möller vor. Es sei wichtig, den Menschen nicht nur Hilfe zukommen zu lassen, sondern sie auch zu animieren, etwas an ihrem Leben zu ändern.
Das Stadtteilbüro kann auf viele Kontakte und eine gut funktionierende Zusammenarbeit mit anderen ortsansässigen Institutionen zurückgreifen. "Das erleichtert uns oft die Arbeit", sagt Möller. Zum Beispiel gab es den Fall einer jungen Alleinerziehenden, die eine Arbeitsstelle in Aussicht, aber keinen Betreuungsplatz für ihr Kind hatte. Am Ende gab es doch einen Kindergartenplatz. "So kann Sozialhilfe vermieden werden", sagt Möller.
Auch mit dem Sozialamt klappt die Zusammenarbeit gut. Was imü berlasteten Behördenbetrieb oft zu kurz kommt, leistet das
Stadteilbüro: "Wir erklären den Leuten die vielen Formalien rund um Sozialhilfe, Krankenkassen oder Arbeitsamt." Gerade ausländische Bürger hätten oft große Schwierigkeiten, die bürokratischen Strukturen zu durchschauen. Möllers Beobachtung ist, dass der soziale Absturz heute viel schneller passieren kann als noch vor einigen Jahren. "Alle Anforderungen sind gewachsen, da können viele Leute nicht mehr mithalten", sagt die Leiterin.
Deswegen ist ein wichtiger Teil der Arbeit im Stadtteilbüro die Förderung von Kindern. Die Hausaufgabenhilfe und die Lern-Spiel-Gruppe setzen früh an, um Defizite auszugleichen. "Unser Hauptsponsor, Sterntaler, unterstützt uns verlässlich", sagt Möller. Zwar finanziert sich das Stadtteilbüro über die evangelische Kirche und die Stadt
Bonn, doch angesichts der knappen Kassen sind Spenden immer willkommen. Wie wichtig das Stadtteilbüro für einige Menschen auf dem Brüser Berg ist, bemerkt Möller, wenn alte Leute bei ihr anrufen, weil sie niemanden haben, dem sie ihr Leid erzählen können. Wer Kontakt zu Nachbarn vom Brüser Berg sucht, kann an jedem zweiten Freitag im Monat zum Bewohnerfrühstück von 10 bis 12 Uhr in das Stadtteilbüro, Borsigallee 12, kommen.


   

 

 

 

 

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