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General-Anzeiger
18.12.08
Zusammen mit Mama Deutsch lernen
Der Verein Sterntaler finanziert das Sprachprogramm Känguru in der Kindertagesstätte Stresemannstraße
Von Stefan Knopp
MEDINGHOVEN.
"Hasi Hase Hasentummel, alle machen Einkaufsbummel" ist aus dem CD-Spieler zu hören. Logopädin Uta Clasen-Wätzel, die ein Kuschel-Känguru festhält, blickt die acht Kinder erwartungsvoll an. "Wer hat Hasi?" Alle haben ein Stofftier, das Kind mit dem Hasen geht zu ihr. Hase und Känguru geben einander Küsschen, dann geht das Mädchen wieder zu seiner Mutter zurück, und das nächste Tier ist an der Reihe. "Clipping" nennt sich das: Spielerisch wird durch die Spitznamen der Tiere und die gereimten Sätze bei den Kindern ein Bewusstsein für Wortbetonungen in der deutschen Sprache geschaffen.
"In diesem Alter findet der Spracherwerb intuitiv über den Sprachrhythmus statt", so die Logopädin, die das Sprachförderprogramm Känguru konzipiert hat, das seit Oktober in der Kindertagesstätte Stresemannstraße 26 angeboten wird.(Information zum Sprachförderprogramm) Kindern unter drei Jahren mit Migrationshintergrund, für die Deutsch Zweitsprache ist, soll dort sehr früh ein intuitives Verständnis für die deutsche Sprache mit auf den Weg gegeben werden, das sie zu Hause
nicht so leicht bekommen. Die Finanzierung hat der Verein Sterntaler Bonn e.V. übernommen. Nun besuchten Doris Meyer als Vorsitzende des Vereins und Kabarettist Bill Mockridge als dessen Schirmherr sowie Udo Stein, Leiter des Amtes für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Bonn, den Kurs. Dieser basiert auf dem Kon-Lab Kindergartenprogramm (Konstanzer Universitätslabor für Linguistik) des Sprachwissenschaftlers Zvi Penner, das laut Clasen-Wätzel vor allem bei Kindern mit Sprachlernschwäche den Pfad eines normalen Spracherwerbs nachahmt. Sie hat es aber an die besagte spezielle Zielgruppe angepasst . Die Besonderheit: "Die Mütter nehmen ebenfalls daran teil und tragen ihre Kinder sozusagen durch den achtmonatigen Kurs", erklärte die Logopädin. "Daher auch der Name Känguru." So ist denn auch ein Teil der
45-minütigen Einheit für die Elternanleitung reserviert. "Der Kurs findet einmal in der Woche statt, die Eltern sollen aber zu Hause jeden Tag das Kon-Lab-Computerprogramm mit den Kindern durchführen ." Auch grundlegende Begrifflichkeiten wie "oben" und "unten" und dergleichen werden vermittelt . "Das Schatzkästchen des menschlichen Spracherwerbs wird in den ersten drei Lebensjahren gefüllt", sagte sie . "Danach wird es abgeschlossen." Es gelte gerade bei ausländischen Kindern, die in Deutschland leben, in dieses Kästchen auch die Grundlagen der deutschen Sprache unterzubringen.

Logopädin Uta Clasen-Wätzel lernt mit den Kindern und Müttern aus der Kita Stresemannstraße auf spielerische Weise Deutsch. FOTO : BARBARA FROMMANN
"Uns ist das ein ganz wichtiges Anliegen", betonte Meyer. Auch Mockridge war beeindruckt. Er hat seine Kinder dreisprachig erzogen. "Es ist erstaunlich zu wissen, dass das alles in den ersten drei Jahren bei denen durch den Kopf gegangen ist."
Clasen-Wätzel hat das Känguru-Programm zusammen mit dem Jugendamt der Stadt erstellt. "Die Tageseinrichtungen als geborene Partner fangen jetzt erst an, sich auf die Kinder unter drei Jahren einzulassen", stellte Stein fest. Er ist vom Erfolg des bundesweit
einzigartigen Programms überzeugt und riet der "Mama von
Känguru": "Schulen Sie Kollegen."
Känguru wird seit 2006 auch in zwei anderen Einrichtungen in Dransdorf und der Weststadt angeboten. Zwei weitere in Tannenbusch und Auerberg sollen folgen. Der Verein Sterntaler finanziert die beiden Kursein Medinghoven, die laut Tagesstättenleiterin Birgit Goldammer zusammen jährlich etwa 3 000 Euro kosten, und sucht dafür noch Sponsoren. Kontaktmöglichkeiten und Kontodaten sind auf www.sterntaler-bonn.de zu finden, wo man sich demnächst auch noch weiter über das Sprachförderprogramm informieren kann.
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